Jede Partnerinstitution des SLHS arbeitet an einem spezifischen Thema, das zu Policy Briefs und Stakeholder Dialogen führen wird.
Förderung der interprofessionellen Zusammenarbeit durch eine stärker einstellungsorientierte interprofessionelle Ausbildung
Eine wirksame interprofessionelle Zusammenarbeit (IPZ) trägt nachweislich zur Qualität, Effizienz und Patientenzentriertheit der Gesundheitsversorgung bei. Um diese Ziele zu erreichen, nehmen Studierende der Gesundheitsberufe und praktizierende Gesundheitsfachpersonen (GFP) an interprofessionellen Ausbildungsangeboten (IPE) im Rahmen der grundständigen und der kontinuierlichen Bildung teil. Diese vermitteln die erforderlichen Kenntnisse, Fähigkeiten und Einstellungen für eine kollaborative Praxis. Die interprofessionelle Zusammenarbeit hängt entscheidend von den Einstellungen der Gesundheitsfachpersonen gegenüber der Zusammenarbeit ab. Einstellungen sind eng mit dem tatsächlichen kollaborativen Verhalten verknüpft und bestimmen beispielsweise, in welchem Ausmass Fachpersonen mit Angehörigen anderer Berufsgruppen zusammenarbeiten und Zeit sowie Aufwand in die interprofessionelle Zusammenarbeit investieren. In der Schweiz ist die interprofessionelle Ausbildung derzeit durch ein fragmentiertes Angebot, ein unzureichend koordiniertes Curriculum und der Vernachlässigung einer gezielten Einstellungsentwicklung gekennzeichnet. Infolgedessen bleibt die IPE als zentrales Instrument zur Stärkung der IPZ bisher unzureichend genutzt.
In diesem Policy Brief werden die strukturellen Herausforderungen analysiert und konkrete Massnahmen zur Verbesserung der interprofessionellen Ausbildung vorgeschlagen:
- Veröffentlichung eines nationalen Online-Verzeichnisses für interprofessionelle Ausbildungsangebote
Wir empfehlen die Schaffung und Veröffentlichung eines nationalen Online-Verzeichnisses. Eine solche Plattform erhöht die Sichtbarkeit der IPE-Angebote, dient als Austauschplattform zwischen den Institutionen und ermöglicht eine effizientere Nutzung bestehender Bildungsressourcen.
- Entwicklung eines landesweit koordinierten Curriculums für die interprofessionelle Ausbildung
Wir schlagen die Erarbeitung eines harmonisierten nationalen IPE-Curriculums vor. Dies gewährleistet vergleichbare interprofessionelle Kompetenzen über die verschiedenen Berufe und Ausbildungsstufen hinweg und unterstreicht die hohe Relevanz der IPZ für die Praxis.
- Explizite Integration der Einstellungsentwicklung in die IPE
Wir empfehlen, in IPE-Kursen gezielt Lehr- und Lernformen zu integrieren, die nachweislich die Entwicklung positiver Einstellungen fördern. Dazu gehören insbesondere Erfahrungen, welche die gegenseitige Abhängigkeit der Berufe erlebbar machen, sowie die bewusste Förderung positiver Interaktionen und konstruktiver Gruppendynamiken im Unterricht.
Autoren: Jean Anthony Grand-Guillaume-Perrenoud, Eva Cignacco
Institution: Berner Fachhochschule
E-Mail: jeananthony.grand-guillaume-perrenoud@bfh.ch
Policy Brief: verfügbar auf Deutsch
Key Messages: Deutsch, English